Resilienz, oder die Fähigkeit zu jonglieren

Welche Kraft bringt uns durch Krisen? Gedanken aus dem Leben

Eines vorweg: Ich, die Autorin, habe weder Psychologie noch Medizin studiert – und bin folglich keine Psychotherapeutin. Dafür kann ich jonglieren. Nicht besonders gut im wörtlichen Sinne (aber man lernt ja nie aus), dafür aber umso besser in dem übertragenen Sinne, in dem es hier gemeint ist. Ich bin als Mensch verdammt resilient. Und aus dieser Perspektive heraus (nicht als professionell Tätige, sondern als resilienter Mensch) schreibe ich diese Zeilen.

Resilienz ist ein Schlüsselbegriff, wenn es um die Bewältigung von (psychischen) Krisen geht. Doch was genau steckt eigentlich dahinter? Und wie kann man diese wunderbare Fähigkeit zur Mobilisierung innerer Kräfte finden und fördern?

Laut Duden beschreibt das Wort »Resilienz« (Substantiv, feminin; Gebrauch: besonders Psychologie):

  • die psychische Widerstandskraft,
  • die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.

Die Fähigkeit zur Resilienz ist es, die uns in schwierigen Zeiten krisenfest macht. Die uns weitermachen lässt, auch wenn das Leben es manchmal nicht so gut mit uns meint. Die Stimme, die uns sagt: Heute war vielleicht ein schlechter Tag, aber es wird auch wieder bergauf gehen! Ein Schutzschirm, der uns hilft, Aufgaben und Probleme zu lösen und sich an Veränderungen anzupassen.

Resilienz ist keine Superkraft. Jeder kann sie lernen, jeder kann sie für sich nutzen. Ein wichtiges Element für eine gesunde Fähigkeit zur Resilienz ist es, sich als selbstwirksam zu erleben. Das bedeutet, dass selbst, wenn wir als Menschen über relativ wenige Dinge im Leben wirklich Kontrolle haben, wir uns das Gefühl bewahren, einer negativen Situation nicht »hilflos« ausgeliefert zu sein. Und »hilflos ausgeliefert« ist man selten. Aus den meisten Situationen finden sich unzählige Auswege, (gangbare) Alternativen; in der modernen Gesellschaft, in der wir leben, kommt man mit Kreativität und Optimismus sehr weit.

Atmen hilft!

Und auch, wenn wir in eine Situation kommen, an der wir wirklich nichts ändern können (Krankheit zum Beispiel), gibt es das passende psychische »Tool« zur Resilienz: Radikale Akzeptanz – das Annehmen dessen, was wir nicht ändern können. Die Buddhistische Lehre sagt hierzu zum Beispiel: »Verschwende keine Wut an Situationen und Menschen, beide sind machtlos ohne deine Reaktion.« Und ein Tipp, den ich direkt aus meinem Kampfsporttraining weitergeben kann – erstaunlich, wie viel man beim Sport über das (gute) Leben lernen kann: Atmen hilft! Immer! Eine kleine (aber besonders feine) Atemübung, die mich durch viele angespannte Situationen getragen hat, ist zum Beispiel das »Atmung im Quadrat«, oder wie die Kampfsportler*innen sagen würden »Warrior Breath«, – übrigens eine Atemübung, die auch SEK-Einheiten beigebracht wird, um ihr Adrenalin unter Kontrolle zu halten).

Unter diesem Link » können Sie die Übung aus unserem Ratgeber »Grenzenlos emotional – Von impulsiv bis Borderline« gleich ausprobieren (und finden noch ein paar mehr Tipps zum »relaxen«.

Und wenn Sie sich zwschendurch eine richtige Atempause gönnen wollen (nur zu empfehlen) finden Sie hier » die Übungen zu Atempausen und Spaziergängen aus unserer Arbeitshilfe »Trost und Hoffnung – Ein Handbuch zur Gruppenmoderation und Selbsthilfe«.

Resilienz ist eine direkte Folge davon, wie bewusst man sich über seine eigenen Ressourcen ist. Ressourcen sind positive Eigenschaften oder Dinge, die einen im Leben unterstützen. Gute Freunde und Bekannte, familiäre Unterstützung, Haustiere, Geldmittel, gute Wohnsituationen, gute Arbeitssituationen, aber auch Charaktereigenschaften, die in einem selbst begründet sind, wie Humor, Offenheit, Optimismus, Fähigkeit zur Akzeptanz. Ja sagen zu dem, was ist. In einer Krise verliert man manchmal seine Ressourcen aus dem Blick, das bedeutet aber nicht, dass es keine gibt. Jeder Mensch hat Ressourcen! Manchmal braucht man nur (therapeutische) Hilfe, um sich dieser Tatsache (wieder) bewusst zu sein, und das ist völlig in Ordnung.

Jonglieren lernen

Aufmerksame Leser*innen werden sich vermutlich so langsam fragen, was das Ganze (was Resilienz) nun mit Jonglage zu tun hat. Es ist ganz einfach. Ich bin das erste Mal in einer mittelmäßigen Jugendserie auf ein Gleichnis gestoßen, das mich mein Leben lang begleitet hat. Der Name der Serie ist mit entfallen. Ich weiß nur noch, dass die Prämisse war, dass Jeanne d’Arc in der modernen Zeit »wiedergeboren« wurde und sich statt mit einer britischen Belagerung mit den Tücken des Lebens an einer High School herumschlagen musste. Natürlich gab es auch eine gottähnliche Figur, die ihr mit Rat (weniger mit Tat) zur Seite stand – sonst hätte man sich ja auch eine beliebig andere historische Persönlichkeit herausfischen können. Und diese Figur gab Jeanne d‘Arc folgenden Rat in einer Situation, in der die Hauptfigur Gefahr lief, von einer Vielzahl von Schwierigkeiten und Anforderungen »überwältigt« zu werden:

»Stell dir vor, du musst eine Brücke überqueren. Diese Brücke kann nur eine bestimmte Last tragen und du kannst sie nur einmal überqueren. Aber du hast drei Dinge bei dir, die du alle mitnehmen musst. Die Brücke trägt nur dein Gewicht und das Gewicht von zweien dieser drei Dinge. Du kannst also nicht alle drei Dinge gleichzeitig tragen und unversehrt über die Brücke marschieren. Was tust du?

Ganz einfach: Wenn du nicht alles auf einmal tragen kannst, dann macht es keinen Sinn, es zu versuchen. Hier macht es nur Sinn, einen Schritt vor den nächsten zu tun (mit Ruhe und Gelassenheit), nicht vergessen, dabei zu atmen, und sich ab und an auch eine richtige Atempause zu gönnen, und vor allem: Du musst lernen, zu jonglieren.«

Zur Autorin:
Melanie Czarnik arbeitet seit 2009 im Psychiatrie Verlag, BALANCE buch + medien verlag. In ihrer Freizeit gibt sie Frauenselbstschutz Seminare und beschäftigt sich generell mit dem Thema Selbstschutz und Frauen-Empowerment.

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