Mit Bipolarer Störung durch die Corona-Pandemie

Anlässlisch des internationalen Tags der Bipolaren Störungen am 30. März 2021 veröffentlicht die Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen eine Pressemitteilung mit Hilfsmöglichkeiten in der Corona-Pandemie.

»Catherine Zeta-Jones, Ben Stiller und Kanye West haben eines gemeinsam – sie leiden an einer Bipolaren Störung. Menschen mit dieser Störung fallen von einem Gefühlsextrem ins andere: Auf manische Phasen mit teils euphorischen Höhenflügen folgt häufig eine tiefe Depression. Etwa 1-2 % der Menschen in Deutschland sind von einer Bipolaren Störung betroffen und haben dadurch ein erhöhtes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Die soziale Isolation der letzten Monate belastet Betroffene wie Angehörige zusätzlich. Die Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) informiert über Hilfsangebote.«

Die Angebote in Kürze:

»Menschen mit Bipolarer Störung und Angehörige, die allein nicht mehr weiterwissen, können sich an die Telefonberatung der DGBS wenden. Unter der kostenfreien Nummer 0800 55 33 33 55 stehen selbsthilfeerfahrene Angehörige und bipolar Betroffene als Ansprechpartner zur Verfügung – auch anonym. Eine Beratung ist außerdem per E-Mail unter mailberatung@dgbs.de möglich. Speziell für Angehörige bietet die DGBS zusätzlich moderierte Angehörigentreffen zum gemeinsamen Erfahrungs- und Informationsaustausch über Videotelefonie an. Weitere digitale Anlaufstellen sind das Bipolar-Forum oder entsprechende Gruppen in den sozialen Medien. Eine spezielle Mailberatung gibt es für im Gesundheitswesen Tätige, die selbst von einer Bipolaren Störung betroffen sind unter kontakt.sbp@dgbs.de.

Weitere Informationen/Anlaufstellen:
Webseite der DGBS: www.dgbs.de
Liste mit Hilfsmöglichkeiten: tinyurl.com/dgbs-hilfe
Kostenfreie Telefonberatung: 0800 55 33 33 55
Beratung per E-Mail: mailberatung@dgbs.de
Beratung für Selbst Betroffene Profis: kontakt.sbp@dgbs.de
Digitale Angehörigentreffen: Florian Klingler (f.klingler@dgbs.de)
Forum: www.bipolar-forum.de
Kliniken mit DGBS Gütesiegel: tinyurl.com/dgbs-kliniken«

Antistigma in Videos

Zusätzlich zur Pressemitteilung veröffentlicht die DGBS auch 5-minütige YouTube Videos auf ihrem Kanal. Hier können Sie die Videos ab dem 30. März ansehen ».

Hier können Sie die Pressemitteilung in voller Länge herunterladen:

Sektenkindern eine Stimme geben

Menschen, die in sektiererischen Gruppierungen hineingeboren werden oder in jungen Jahren hineingeraten, sind häufig gravierenden Einschränkungen ausgesetzt. Was es bedeutet, »wie eine Maschine« groß zu werden, anscheinend nur Teil eines angeblich größeren Ganzen zu sein, und wie wichtig es daher ist, Hilfeangebote speziell für Sektenkinder zu schaffen, ist Thema der neuen Podcast-Folge von »Kopfkino – Aussteiger berichten«.

Dina Hellwig, Schauspielerin und Sprecherin, ist bei den Zeugen Jehovas aufgewachsen und spricht mit Kathrin Kaufmann und Laura Illig über ihr neues Buch »Sektenkinder – Vom Aufwachsen in neureligiösen Gruppierungen und dem Leben nach dem Ausstieg« – ein Buch, das für sogenannte Sektenkinder selbst geschrieben ist. Das Buch zeichnet eindrucksvoll das Leben in einer Sekte nach. Was es genau mit den Betroffenen macht und wie wichtig es ist, diese Menschen aufzufangen und geeignete Hilfeangebote zu schaffen, zeigen die starken Zitate ehemaliger Sektenkinder.

Destruktive Gruppierungen richten ihre Energie stark nach innen – sie isolieren sich größtenteils von der Außenwelt, sodass kaum etwas davon, was hinter verschlossenen Türen geschieht, nach außen dringt. Mit ihrem Buch wollen die Autorinnen vor allem auch zeigen, dass es einen großen Unterschied macht, ob man als Kind in eine solche Gruppierung hineingeboren wird oder ob man sich selbst zu einem späteren Zeitpunkt entschließt, einer solchen Gruppierung beizutreten – und für das Thema sensibilisieren.

Das Buch basiert auf einer wissenschaftlichen Studie, für die den beiden Autorinnen 2019 der Förderpreis des Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit und des Fachbereichstags Soziale Arbeit für herausragende Abschlussarbeiten verliehen wurde.

Hören Sie mehr über die Entstehungsgeschichte des Buches und über das Leben sogenannter Sektenkinder.

Hier » geht es direkt zum Podcast.

»Ich konnte gar nicht entscheiden, was ich glaube. Einem Kind kannst du alles sagen, das glaubt dir alles. Ich habe alles sofort geglaubt, ohne irgendwie irgendetwas zu hinterfragen. Ein Mensch, der mitten im Leben einer Sekte beitritt, hat schon eine Persönlichkeit. Ich finde es sehr gefährlich, dass das bei Kindern nicht so ist. Es tut mir für jedes Kind leid, das in eine Sekte hineingeboren wird. Die werden so programmiert, dass sie es extrem schwer haben, sich daraus zu befreien.«

Lisa, 21 Jahre

Mitwirkende gesucht! Paare mit Gepäck – Beziehungsporträts von Menschen mit einer psychischen Erkrankung

Für ein neues Buchprojekt suchen wir Paare, die mit einer psychischen Erkrankung umgehen müssen!

Bei Paaren, von denen ein Partner, vielleicht aber auch beide, unter psychischen Problemen leidet, potenzieren sich die Problematiken, heißt es. Aber ist das wirklich und immer so?

Wie lebt es sich als Paar mit psychischen Problemen im Gepäck? Erzählt man gleich, was einen so umtreibt und festhält? Wie lernt man sich überhaupt kennen, und wann kommt die Wahrheit auf den Tisch?
Entwickeln Paare, die mit einer oder mehreren psychischen Erkrankungen umgehen müssen, ganz eigene Strategien in der Alltagsbewältigung? Entsteht vielleicht eine sogar fruchtbare Dynamik? Wer stützt wen, und gibt es darin ein Gleichgewicht? Oder braucht es das gar nicht?
Wie gelingt es, Schwere in Leichtigkeit aufzulösen und sich den eigenen Humor zu bewahren?

Karen-Susan Fessel spricht mit betroffenen Paaren unterschiedlichen Alters und Geschlechts bei ausgiebigen Kaffeegesprächen in privatem Rahmen und lockerer Atmosphäre über die Schwierigkeiten, aber auch eventuellen Vorteilen, die eine anscheinend vorrangig problematische Grundkonstellation mit sich bringt.

Die in privatem Rahmen entstandenen Interviews werden von der Autorin zu jeweils ca. zehn- bis fünfzehnseitigen Reportagen verdichtet und von schwarz-weißen Porträtfotos (Fotograf: Werner Krüper) der jeweiligen Paare illustriert. 

Wir freuen uns sehr, wenn Sie und Ihr*e Partner*in Teil dieses Buchprojekts sein möchten, und sind gespannt auf Ihre Geschichten!

Zuschriften bitte per E-Mail an: kluenter@psychiatrie-verlag.de

Betreff: Buchprojekt Paare mit Gepäck

Einsendeschluss ist der 31.10.2020

Autorin: Karen-Susan Fessel ist Schriftstellerin und lebt und arbeitet in Berlin. Seit 1994 sind mehr als dreißig Romane und Erzählungen für Kinder, Erwachsene und Jugendliche erschienen, die teils mehrfach ausgezeichnet und übersetzt wurden. 2020 wurde ihr für ihr literarisches Schaffen und soziales Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Fotograf: Werner Krüper absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger, dann wandte er sich der Fotografie zu und studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld. Seit 1990 ist er als freier Fotograf tätig. Sein Interesse für die Menschen, die Pflege in Anspruch nehmen, ist ihm geblieben und schlägt sich unter anderem in Arbeiten für Institutionen und Medien im sozialen Bereich nieder. Für das Erfahrungsbuch »Die Hoffnung trägt« mit Recoverygeschichten von psychisch erkrankten Menschen, das im BALANCE buch + medien verlag erschienen ist, hat er die Porträtfotos gemacht. Weitere Informationen und Fotos unter www.werner-krueper.de

Foto: Pixabay / pexels.com

Schreibaufruf zu Magersucht verlängert

Viele haben uns gesagt, wie wichtig es ist auf das Thema Magersucht aus der Perspektive der Betroffenen zu berichten. Weil uns Anfragen mit der Bitte um mehr Zeit zum Schreiben erreicht haben, verlängern wir nun die Frist bis zum 31.1.2021!

Hier noch mal die Eckpunkte: Menschen mit der Diagnose Magersucht (Anorexie) haben nicht nur eine Essstörung. Es gibt mehr und ganz anderes zu erzählen als über die Beschäftigung mit Essen, Nichtessen, Kalorienzählen und Gewicht. Es gibt andere Geschichten zu berichten, als über Zwangsmaßnahmen, Einschränkungen und die Unmöglichkeit, an Dingen teilhaben zu können.

Dieses Buchprojekt hat das Ziel, einen Rahmen für die Erfahrungen von Menschen mit der Diagnose Anorexie zu schaffen. Auch und gerade interessieren uns die Geschichten von Erwachsenen (auch Männern!), die schon längere Zeit mit der Erkrankung leben. Wir wünschen uns Texte zu folgenden Themen: Wie gelingt es Dir, am Alltag teilzuhaben mit und trotz der vielleicht chronischen Erkrankung? Welche Träume, Wünsche und Ziele gibt es in Deinem Leben, auch wenn Du vielleicht nur ganz heimlich an sie denken magst? Wer und was hilft Dir im Alltag?

Angedacht ist eine Veröffentlichung ausgewählter Texte im BALANCE buch + medien verlag. Weil dort nur ein bestimmter Platz zur Verfügung steht, kann dies nicht nur dazu führen, dass wir nicht alle Texte übernehmen können, sondern auch, dass es vonseiten der Herausgebenden oder des Lektorats Anregungen gibt, Passagen zu überarbeiten, bestimmte Themen zusätzlich aufzunehmen oder auch Textteile zu streichen. Nur so kann es möglich werden, dass das Buch als Ganzes lebendig wird und in sich stimmig bleibt.

Die Beiträge sollten möglichst als Word-Dokument abgespeichert werden und nicht mehr als 15.000 Zeichen (mit Leerzeichen) umfassen. Am Ende jeden Textes wäre es schön, wenn du in 5–6 Stichpunkten noch einmal auflisten würdest, was Dir geholfen hat, den Alltag zu schaffen. Außerdem möchten wir Dich bitten, Magersucht in einem Satz zu beschreiben, der mit folgenden Worten beginnt: Magersucht ist für mich ….

Schreib uns bitte auch, ob du im Falle einer Veröffentlichung bereit bist, dies unter deinem Namen oder unter Pseudonym zu tun, ob du ggf. Lesungen machen oder auch Pressefragen beantworten würdest.

Wir freuen uns sehr über Zuschriften und sind gespannt auf Deinen Erfahrungsbericht!

E-Mails bitte an: magersucht@balance-verlag.de

Betreff: Buchprojekt Magersucht

Einsendeschluss ist der 31.1.2021

Wir werden eine Eingangsbestätigung verschicken, bitten aber um Verständnis, wenn wir erst Mitte April 2021 über den Stand der Dinge informieren können: Ob das Buch zustande kommt oder nicht, wer dabei ist oder nicht.

Wir sind:

Christiane Tilly: Ich habe eigene Erfahrungen mit Magersucht seit der Pubertät, bin Diplom-Pädagogin, habe an verschiedenen Buchprojekten mitgearbeitet und arbeite derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Eckhard Klein: Ich habe erst 2005 verstanden, dass ich Magersucht habe. Da war ich vierzig Jahre alt. In diesem Jahr war ich in einer Klinik. Ich war zu der Zeit Redakteur beim NDR. Heute bin ich beim SPIEGEL. Die Magersucht ist noch da. Aber ich habe mich mit ihr arrangiert – mal mehr, mal weniger.

Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de

Stellenausschreibung: SOUL LALA – Projektmitarbeiter*in gesucht!

Für das Projekt SOUL LALA sucht der Dachverband Gemeindepsychiatrie für die Geschäftsstelle in Köln ab dem 01. November 2020 eine*n Projektmitarbeiter*in für den Bereich Medien (m/w/d) in Teilzeit (bis 1. Februar 2021 50 %, danach 75 %).

SOUL LALA ist das Inklusionsprojekt des Dachverbands Gemeindepsychiatrie e.V. für Jugendliche und junge Erwachsene. Das Projekt klärt über das Thema »Seelische Gesundheit« auf und bringt deutschlandweit Menschen mit und ohne Behinderungen bei Aktivitäten in den Bereichen Schule und Ausbildung, Kunst und Kultur, Sport und Freizeitgestaltung zusammen. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen mit psychischen Problemen zu fördern.

Alle Informationen zur Stelle und zur Bewerbung gibt es auf der Seite von SOUL LALA »

Schreibaufruf für ein neues Buchprojekt von Aspies e.V. und Silke Lipinski

Es gibt viel zu berichten von einem Leben mit Autismus: von einem möglicherweise schwierigen Alltag mit autistischen Besonderheiten, von eigenen Bedürfnissen in den Bereichen Kommunikation und Interaktion mit Mitmenschen, über die Vorliebe für Vorhersehbarkeit oder Umgang mit sensorischen Besonderheiten. Es gibt aber sicher auch andere Geschichten zu berichten als über Einschränkungen und die Unmöglichkeit, an Dingen teilhaben zu können. So gibt es für uns vielleicht den besonderen Genuss z.B. von liebgewonnenen Abläufen oder die Freude bei der Beschäftigung mit unseren eigenen jeweiligen Interessen.

Dieses Buchprojekt hat das Ziel, einen Rahmen für die vielen Facetten eines Lebens als Autist*in zu schaffen. Wir würden uns über Textbeiträge von Euch freuen. Hier ein paar Ideen als Anregung für Themen:

  • Wie gelingt es dir, am Alltag teilzuhaben – mit und trotz der Unterschiede und Schwierigkeiten?
  • Wer und was hilft dir im Alltag?
    Gibt es besondere persönliche autistische Eigenschaften, die du als Stärke erlebst?
  • Hat sich etwas oder hast du dich mit zunehmendem Alter verändert?
  • Welche Strategien im Umgang mit anderen Menschen hast du entwickelt?
  • Spielt Sport für dich eine Rolle?
  • Was ist dir wichtig?
  • Auf welche Weise kannst du dich erholen und/oder Energie bekommen?
  • Was magst du an anderen Menschen mit Autismus?
  • Was hättest du gerne früher in deinem Leben (über Autismus) gewusst?
  • Welche Erlebnisse hast du mit motorischen Besonderheiten und wie gehst du damit um?
  • Hast du dich schon mal »im falschen Körper« gefühlt (z.B. weil du transgender bist)?
  • Was ist das schlimmste oder auch schönste Gefühl auf der Welt für dich? Wie gehst du mit Regeln um?
  • Hast du Freude an Details und wie kannst du diese am besten genießen?

Dies sind nur einige Ideen, die ihr in euren Texten aufgreifen könntet. Es gibt sicher noch viel mehr Themen und Inhalte, die ihr wichtig und erzählenswert findet. In euren Texten müsst ihr selbstverständlich nicht sämtliche Themenbereiche eures Lebens behandeln. Wählt etwas aus, das euch wichtig ist. Der Grundgedanke unseres Buchprojektes ist vor allem:

  • Was würdet ihr als Autist*in gerne anderen Autist*innen mitteilen?
  • Was würdet ihr gerne von anderen Autist*innen erfahren und lesen?

Angedacht ist eine Veröffentlichung als Sammelband im BALANCE buch + medien verlag. Weil nur ein bestimmter Platz zur Verfügung steht, kann dies dazu führen, dass wir nicht alle eingesandten Texte übernehmen können. Wir werden eine Eingangsbestätigung verschicken und euch später informieren, ob das Buch zustande kommt oder nicht und welche Texte dabei sind. Dazu können wir euch voraussichtlich bis Ende Februar 2021 etwas sagen.

Die Beiträge sollten möglichst als Word-Dokument abgespeichert werden und nicht mehr als 15.000 Zeichen (mit Leerzeichen) umfassen. Außerdem möchten wir dich bitten, Autismus in einem Satz zu beschreiben, der mit folgenden Worten beginnt: Autismus ist für mich ….

Schreib uns bitte auch, ob du im Falle einer Veröffentlichung bereit bist, dies unter deinem Namen oder unter Pseudonym zu tun. In beiden Fällen freuen wir uns über einen Satz zu deiner Person mit Alter, Wohnort, ggf. Beruf und Familienstand. Was du nicht mitteilen willst, musst du natürlich nicht schreiben.

Wir freuen uns sehr über Zuschriften und sind gespannt auf deinen Erfahrungsbericht!

E-Mails bitte an: bibliothek@aspies.de
Betreff: Buchprojekt

Einsendeschluss ist der 30. September 2020.

Euer Aspies e.V. Vorstand und Silke Lipinski

Genesungsbegleiter*in gesucht

Das TWW startet mit Genesungsbegleitung und sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Teilzeit (19,25 Std./Woche) eine*nGenesungsbegleiter*in für die allgemeinpsychiatrische Akutstation in den Kliniken des Theodor-Wenzel-Werks.

Alles Weitere zur Stelle finden Sie hier »

Notwendige Kenntnisse im Umgang mit Psychopharmaka

»Der Titel des vorliegenden Buches ist Programm: Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen und nicht etwa: Medikamentenbehandlung psychischer Störungen. Auch nach sechzig Jahren Psychopharmakotherapie gibt es kein Medikament, das eine psychische Krankheit heilen könnte.

Als die erste Auflage dieses Buches 1979 erschien, war dies eine Binsenweisheit. Seither sind viele Erkrankte und Therapeuten dem von interessierter Seite gepflegten Mythos und eigenen Heilserwartungen aufgesessen, indem sie glauben, Psychopharmaka wirkten ursächlich. Das ist bis zu einem gewissen Grade verständlich, denn manche psychischen Krankheiten sind mit so großem Leid verbunden, dass man glauben möchte, man könnte sie heilen, wenn man nur zum richtigen Medikament greife.

Leider ist das Unsinn. Wir wissen viel zu wenig über die biologischen Hintergründe psychischer Störungen, als dass man auch nur an den Versuch denken könnte, in ihr Ursachengefüge mit Medikamenten eingreifen zu können.

Mit anderen Worten: Psychopharmaka wirken symptomatisch. Das ist kein Grund, sie gering zu schätzen. Zwar lösen die Medikamente die Probleme psychisch kranker Menschen nicht, richtig angewandt können sie ihnen dennoch helfen und dazu beitragen, ihre Leiden zu lindern und ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Medikamente seit Jahrzehnten aus dem psychiatrischen Alltag nicht mehr wegzudenken sind.

Weil das so ist, ist eine kritische – und eine selbstkritische – Haltung angebracht. Umso bedauerlicher ist es, dass viele Therapeuten deutlich weniger Mühen auf den Erwerb von Kenntnissen im Umgang mit Medikamenten aufwenden, als sie sie in ihre psychotherapeutische Ausbildung investieren. Dass Medikamentenbehandlung eine simple Sache sei, ist ein folgenschwerer Irrtum, der viel Leid über die Kranken bringt.«

Resilienz, oder die Fähigkeit zu jonglieren

Welche Kraft bringt uns durch Krisen? Gedanken aus dem Leben

Eines vorweg: Ich, die Autorin, habe weder Psychologie noch Medizin studiert – und bin folglich keine Psychotherapeutin. Dafür kann ich jonglieren. Nicht besonders gut im wörtlichen Sinne (aber man lernt ja nie aus), dafür aber umso besser in dem übertragenen Sinne, in dem es hier gemeint ist. Ich bin als Mensch verdammt resilient. Und aus dieser Perspektive heraus (nicht als professionell Tätige, sondern als resilienter Mensch) schreibe ich diese Zeilen.

Resilienz ist ein Schlüsselbegriff, wenn es um die Bewältigung von (psychischen) Krisen geht. Doch was genau steckt eigentlich dahinter? Und wie kann man diese wunderbare Fähigkeit zur Mobilisierung innerer Kräfte finden und fördern?

Laut Duden beschreibt das Wort »Resilienz« (Substantiv, feminin; Gebrauch: besonders Psychologie):

  • die psychische Widerstandskraft,
  • die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.

Die Fähigkeit zur Resilienz ist es, die uns in schwierigen Zeiten krisenfest macht. Die uns weitermachen lässt, auch wenn das Leben es manchmal nicht so gut mit uns meint. Die Stimme, die uns sagt: Heute war vielleicht ein schlechter Tag, aber es wird auch wieder bergauf gehen! Ein Schutzschirm, der uns hilft, Aufgaben und Probleme zu lösen und sich an Veränderungen anzupassen.

Resilienz ist keine Superkraft. Jeder kann sie lernen, jeder kann sie für sich nutzen. Ein wichtiges Element für eine gesunde Fähigkeit zur Resilienz ist es, sich als selbstwirksam zu erleben. Das bedeutet, dass selbst, wenn wir als Menschen über relativ wenige Dinge im Leben wirklich Kontrolle haben, wir uns das Gefühl bewahren, einer negativen Situation nicht »hilflos« ausgeliefert zu sein. Und »hilflos ausgeliefert« ist man selten. Aus den meisten Situationen finden sich unzählige Auswege, (gangbare) Alternativen; in der modernen Gesellschaft, in der wir leben, kommt man mit Kreativität und Optimismus sehr weit.

Atmen hilft!

Und auch, wenn wir in eine Situation kommen, an der wir wirklich nichts ändern können (Krankheit zum Beispiel), gibt es das passende psychische »Tool« zur Resilienz: Radikale Akzeptanz – das Annehmen dessen, was wir nicht ändern können. Die Buddhistische Lehre sagt hierzu zum Beispiel: »Verschwende keine Wut an Situationen und Menschen, beide sind machtlos ohne deine Reaktion.« Und ein Tipp, den ich direkt aus meinem Kampfsporttraining weitergeben kann – erstaunlich, wie viel man beim Sport über das (gute) Leben lernen kann: Atmen hilft! Immer! Eine kleine (aber besonders feine) Atemübung, die mich durch viele angespannte Situationen getragen hat, ist zum Beispiel das »Atmung im Quadrat«, oder wie die Kampfsportler*innen sagen würden »Warrior Breath«, – übrigens eine Atemübung, die auch SEK-Einheiten beigebracht wird, um ihr Adrenalin unter Kontrolle zu halten).

Unter diesem Link » können Sie die Übung aus unserem Ratgeber »Grenzenlos emotional – Von impulsiv bis Borderline« gleich ausprobieren (und finden noch ein paar mehr Tipps zum »relaxen«.

Und wenn Sie sich zwschendurch eine richtige Atempause gönnen wollen (nur zu empfehlen) finden Sie hier » die Übungen zu Atempausen und Spaziergängen aus unserer Arbeitshilfe »Trost und Hoffnung – Ein Handbuch zur Gruppenmoderation und Selbsthilfe«.

Resilienz ist eine direkte Folge davon, wie bewusst man sich über seine eigenen Ressourcen ist. Ressourcen sind positive Eigenschaften oder Dinge, die einen im Leben unterstützen. Gute Freunde und Bekannte, familiäre Unterstützung, Haustiere, Geldmittel, gute Wohnsituationen, gute Arbeitssituationen, aber auch Charaktereigenschaften, die in einem selbst begründet sind, wie Humor, Offenheit, Optimismus, Fähigkeit zur Akzeptanz. Ja sagen zu dem, was ist. In einer Krise verliert man manchmal seine Ressourcen aus dem Blick, das bedeutet aber nicht, dass es keine gibt. Jeder Mensch hat Ressourcen! Manchmal braucht man nur (therapeutische) Hilfe, um sich dieser Tatsache (wieder) bewusst zu sein, und das ist völlig in Ordnung.

Jonglieren lernen

Aufmerksame Leser*innen werden sich vermutlich so langsam fragen, was das Ganze (was Resilienz) nun mit Jonglage zu tun hat. Es ist ganz einfach. Ich bin das erste Mal in einer mittelmäßigen Jugendserie auf ein Gleichnis gestoßen, das mich mein Leben lang begleitet hat. Der Name der Serie ist mit entfallen. Ich weiß nur noch, dass die Prämisse war, dass Jeanne d’Arc in der modernen Zeit »wiedergeboren« wurde und sich statt mit einer britischen Belagerung mit den Tücken des Lebens an einer High School herumschlagen musste. Natürlich gab es auch eine gottähnliche Figur, die ihr mit Rat (weniger mit Tat) zur Seite stand – sonst hätte man sich ja auch eine beliebig andere historische Persönlichkeit herausfischen können. Und diese Figur gab Jeanne d‘Arc folgenden Rat in einer Situation, in der die Hauptfigur Gefahr lief, von einer Vielzahl von Schwierigkeiten und Anforderungen »überwältigt« zu werden:

»Stell dir vor, du musst eine Brücke überqueren. Diese Brücke kann nur eine bestimmte Last tragen und du kannst sie nur einmal überqueren. Aber du hast drei Dinge bei dir, die du alle mitnehmen musst. Die Brücke trägt nur dein Gewicht und das Gewicht von zweien dieser drei Dinge. Du kannst also nicht alle drei Dinge gleichzeitig tragen und unversehrt über die Brücke marschieren. Was tust du?

Ganz einfach: Wenn du nicht alles auf einmal tragen kannst, dann macht es keinen Sinn, es zu versuchen. Hier macht es nur Sinn, einen Schritt vor den nächsten zu tun (mit Ruhe und Gelassenheit), nicht vergessen, dabei zu atmen, und sich ab und an auch eine richtige Atempause zu gönnen, und vor allem: Du musst lernen, zu jonglieren.«

Zur Autorin:
Melanie Czarnik arbeitet seit 2009 im Psychiatrie Verlag, BALANCE buch + medien verlag. In ihrer Freizeit gibt sie Frauenselbstschutz Seminare und beschäftigt sich generell mit dem Thema Selbstschutz und Frauen-Empowerment.

Wir trauern um unsere Autorin

Michaela Müller | Svenja Bunt

* 14.12.1974   † 08.06.2020

Als Svenja Bunt schrieb sie einen Blog, www.verrueckte-buecher.de, und war Hauptautorin des ersten Ratgebers von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene, »Das gute Leben und andere Probleme«. Als Klinische Sozialarbeiterin und engagierte Betroffene arbeitete Michaela Müller für einen psychosozialen Träger, erst im Bed & Breakfast und Betreuung, zum Schluss im Bereich Wirkungsorientierung und Qualitätsmanagement. Als Referentin und Dozentin war sie sowohl als Fachperson wie als Betroffene unterwegs, als Michaela Müller und als Svenja Bunt. Die Trennung der Rollen war ihr lange wichtig, erst in letzter Zeit wurde das anders.

Michaela hatte viele Facetten und wurde von vielen geschätzt wegen ihrer umfassenden Erfahrung und ihres profunden Wissens, das vielleicht mit ihrem ersten Beruf zu tun hatte: Sie hatte in Philosophie promoviert und gelernt, alles zu hinterfragen und gründlich zu durchdenken. So war sie eine Gesprächspartnerin, die das Fragen und gemeinsame Weiterdenken fordert und kultivierte, denn sie war fest davon überzeugt, dass wir alle uns weiterentwickeln und wachsen können: 

»Mir hilft es, mich in Entwicklung zu sehen. So wie ein Baum, der immer weiterwächst, sich entwickelt und reift, blüht und Blätter grünen lässt, bis sie sich verfärben und abfallen, um nach einer Ruhepause erneut zu ergrünen. Der Früchte trägt und Heimat ist für Vögel und Mäuse und Käfer. Der auch nach einem Blitzschlag weiterwächst. So versuche ich auch mein Leben zu sehen. Als ein ständiges Wachsen und Sichweiterentwickeln. Auch wenn manches nicht gelingt oder nicht sofort, so kann doch das Lernen, das Wachsen, das Reifen, das Sichweiterentwickeln gut gelingen.«

Aus dem gemeinsamen Ratgeber mit Sibylle Prins, Das gute Leben und andere Probleme

Im Alter von 45 Jahren ist Michaela nun viel zu früh von uns gegangen, wir werden sie sehr vermissen.

Die Redaktion der Psychosozialen Umschau und der Psychiatrie Verlag

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